Polnische Nationalschau 2002

Pride of Poland Sale 2002
Staatsgestüt Michalow
Staatsgestüt Bialka
Int. Vollblutaraberrenntag in Warschau

Geheimnis No. 3: Ganzheitlicher Zuchtansatz

Eine Leistungszucht alleine bringt noch keine Schausieger hervor. Die polnische Zuchtselektion basiert auf fein aufeinander abgestimmten Kriterien, die die Beurteilung des Phänotyps, die Berücksichtigung der Abstammung mit der mütterlichen Familienzugehörigkeit sowie die Leistung miteinbeziehen. Die jahrelange Erhaltung und Weiterentwicklung verschiedener Stutenlinien ermöglicht der polnischen Zucht immer wieder den notwendigen züchterischen Spielraum und verhindert eine genetische Einengung und Begrenzung mit all ihren negativen Folgen.
Geheimnis No. 4: Polnische Staatsgestüte züchten nicht „rein-polnisch“

Die Staatsgestüte Polens verstanden und verstehen es in ausgezeichneter Weise, ihre Zucht durch geschicktes Out-Crossing immer wieder genügend zu öffnen und dadurch neue genetische Eigenschaften in den bestehenden Gen-Pool zu führen, aber zugleich den Kern ihrer Zuchtbasis, die einzelnen Stutenfamilien, in ihrer genetischen Grundausprägung zu erhalten.

So waren es in der Vergangenheit Hengste wie Tallin oder Palas, die der polnischen Zucht wertvolles russisches und ägyptisches Blut zuführten. In jüngerer Zeit waren es dann sorgfältig ausgewählte Spitzenhengste wie Monogramm (russisch/polnisch), Sanadik El Shaklan (spanisch/ägyptisch), Laheeb (ägyptisch) oder Ghazal Al Shaqab (polnisch/ägyptisch), die für frisches Blut sorgten.

Bild oben: El Dorada, 1998 (Sanadik El Shaklan x Emigrantka), polnische National Champion Stute, 2002

Geheimnis No. 5: Konstruktive Konkurrenz:

Die drei polnischen Staatsgestüte Janow Podlaski, Michalow und Bialka stehen auf der einen Seite in ständiger, harter Konkurrenz zueinander, kooperieren aber gleichzeitig in intelligenter Weise durch den Austausch von Deckhengsten, durch die gemeinsame Selektion von Verkaufspferden oder bei der Durchführung von Schauen und Auktionen. So kann jedes Gestüt von einer Win-Win Situation profitieren, ohne dass der natürliche Wettbewerb zwischen den Gestüten behindert wird, der zu einer zusätzlichen Qualitätssteigerung führt.

Geheimnis No. 6: Züchterische Konsistenz

Die polnische Zucht unterliegt seit Jahrzehnten einem klaren züchterischen Konzept, das mit Beständigkeit verfolgt wird, ohne es immer wieder kurzfristigen, schnellen und rational nicht nachvollziehbaren Änderungen auszusetzen. Voraussetzung zur Schaffung einer solchen züchterischen Konsistenz sind aber geeignete Führungsstrukturen, die die Zucht über mehrere Züchtergenerationen immer wieder auf der Basis des Erschaffenen und im Rahmen der gegebenen Zuchtkonzeption weiterzuentwickeln vermögen. Wenn man bedenkt, welchen radikalen politischen und wirtschaftlichen Änderungen die polnischen Staatsgestüte alleine in den letzten 15 Jahren in Polen ausgesetzt waren, ist diese Zuchtbeständigkeit mehr als beachtlich.
Sie betrachtete die Schau von ihrer Weide aus: die alte und berühmte Etruria, 1975 (Palas x Etna) aus Janow Podlaski, die Mutter von so berühmten Schaupferde und Elitehengsten wie Etogram und Ecaho ist.

Es ist daher auch nicht erstaunlich, dass die polnische Zucht nicht von Einzelkämpfern geführt wird, die zufällig, weil sie zur rechten Zeit in der richtigen politischen Partei waren, zu Gestütsleitern ernannt werden und völlig autonom ihre züchterischen Visionen und ihr eigens Ego wieder von Null an durchzusetzen versuchen. Am Beispiel Michalow sieht man den sorgfältigen und langjährigen Aufbau zukünftiger Gestütsleiter. So begann der heutige Direktor von Michalow, Jerzy Bialobok vor 25 Jahren als Pferdepfleger und später als Assistent des langjährigen Direktors, Herr Jaworowski und wurde so nach und nach in die züchterischen Entscheidungen miteinbezogen. Jerzy Bialobok’s Frau, Ursula Bialobok war ebenfalls für viele Jahre eine der engsten Mitarbeiterinnen des früheren Direktors Jaworowski und ist heute ein wichtiger Entscheidungsträger im Führungsteam von Michalow.

Dieses Beispiel zeigt schön, wie wichtig es ist, dass sich aufgebautes Zuchtwissen und Erfahrung, ähnlich wie die genetischen Eigenschaften bei den Pferden selber, von Züchtergeneration zu Züchtergeneration übertragen kann, um Neues zu erschaffen ohne Altes zu zerstören.
weiter zur nächsten Seite
zurück zu News