Kairo Report 2002 - Teil I

Impressionen und Gedanken zur Vollblutaraberzucht in Ägypten
Text und Bilder: Urs Aeschbacher, Copyright by Nile Arabians

Reinägyptische Vollblutaraber üben seit Jahrhunderten eine ganz besondere Faszination auf Liebhaber arabischer Pferde in allen Teilen der Welt aus. Sie sind für so viele der Inbegriff eines arabischen Pferdes schlechthin.

 

 

 

 

 

rechts: Typ, Ausstrahlung, Stolz und Erhabenheit prägen diese reinägyptische Stute des Gestütes Albadeia in Kairo.

 

So findet man praktisch keine arabische Zuchtrichtung, die sich in der näheren Vergangenheit nicht bereits mit Erfolg des ägyptischen Blutes bedient hat. Denken wir nur an das Staatsgestüt Tersk, das mit dem Einsatz des Hengstes Aswan (Nazeer x Yosreia), einem Staatsgeschenk Ägyptens an Russland, der russischen Vollblutaraberzucht völlig neue Impulse verschaffte und diese durch die vielen einzigartigen Aswan Töchter weltbekannt machte. Ein anderes Beispiel ist Deutschland mit seinen damaligen von El Zahra importierten, reinägyptischen Hengsten Hadban Enzahi (Nazeer x Kamla), Ghazal (Nazeer x Bukra) und Kaisoon (Nazeer x Bint Kateefa), die die deutsche Vollblutaraberzucht bis zum heutigen Tag prägen. Auch in den Staatsgestüten Polens ist das ägyptische Blut nicht mehr wegzudenken. Die bekannten, polnischen Schausieger/innen der letzten Jahre führen mit Hengsten wie dem Aswan Sohn Palas oder dem Reinägypter Laheeb überdurchschnittlich viel ägyptisches Blut in ihren Pedigrees. Selbst in der spanischen Vollblutaraberzucht gelang es mit der Anpaarung des reinägyptischen Morafic Sohns Shaker el Masri mit der spanischen Stute Estopa, dieser Zuchtrichtung eine neue Dimension (damals unter dem Namen „Golden Cross“) zu erschliessen, die bis heute auf allen Kontinenten ihre züchterische Wirkung nicht verloren hat.

 

 
oben: Zwei Zuchtstuten in El Zahraa
 

Nicht zu vergessen sind natürlich El Zahraa, das ägyptische Staatsgestüt selbst, sowie die weltweit zahlreichen, kleineren und grösseren Privatzüchter, die sich seit Jahrzehnten der reinägyptischen Zucht verschrieben haben und so diese Zuchtrichtung am Leben erhalten, ein nicht gerade einfaches aber bemerkenswertes Unterfangen, da der genetische Spielraum der ägyptischen Zucht verglichen mit anderen Zuchtrichtungen relativ schmal ist und keinen allzu grossen züchterischen Freiraum offen lässt.

Was aber nun macht diese weltweite Faszination für den ägyptischen Vollblutaraber aus, dessen arabischer Typ mittlerweile auch für viele andere arabische Zuchtrichtungen zum Vor- und Sinnbild des authentischen Vollblutarabers geworden ist? Ist es der oft zitierte Reinheitsgedanke oder ist es der relativ direkte orientalische Ursprung oder ist es einfach die spezielle arabische Ausstrahlung dieser Pferde?
Auf eine Reinheitsdiskussion des ägyptischen Vollblutarabers möchte ich an dieser Stelle nicht näher eintreten, auch wenn vielleicht einige wenige Blutfanatiker oder Marketingstrategen gerade darin das Besondere dieser Zuchtrichtung sehen. Rein oder nicht rein, in der „Fachliteratur“ bis zum Exzess behandelt, ist letztendlich eine Glaubensfrage, die sich jeder selber beantworten kann. Tatsache ist, dass wir in jedem Pedigree, sei es von einem ägyptischen oder anderen Vollblutaraber früher oder später auf Fragezeichen stossen, die aber heute aus zuchtwissenschaftlichen und genetischen Gesichtspunkten für die Vollblutaraberzucht irrelevant sind.

 

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