Kairo Report 2002 - Teil I

Diese schon fast magische Anziehungskraft des ägyptischen Vollblutarabers scheint andere Wurzeln zu haben. Einige dieser Wurzeln fand ich während meines Aufenthaltes in Ägypten selbst. Vom 25. bis zum 27. Oktober dieses Jahres war ich im ägyptischen Staatgestüt El Zahraa an der jährlichen Vollblutaraberschau als Richter tätig, und danach hatte ich die Gelegenheit, Albadeia, eines der alteingesessenen und traditionsreichen Privatgestüte, heute im Besitz von Dr. Nasr Marei, zu besuchen (mehr davon in Teil II dieses Berichts).

Anlässlich der dreitägigen Schau bekam ich ca. 200 ägyptische Vollblutaraber, viele davon in El Zahraa selbst gezüchtet und meist in privatem Besitz, zu Gesicht. Nicht alle diese Pferde entsprechen dem heutigen, internationalen Qualitätsstandard. Manche liegen in den Kriterien Fundament, Bewegung, in der Oberlinie sowie in Brust- und Lendentiefe unter den Anforderungen.

Aber diese Pferde haben mich fasziniert und beeindruckt und sie haben mir trotz ihren teilweisen Mängeln gefallen. Ich bewunderte ihr stolzes Gehabe ohne jeglichen Eindruck von Überheblichkeit festzustellen, ihr Feuer, ihre Ausstrahlung und ihre Intelligenz, die sich jede Sekunde in ihrer Bewegung und in ihren Augen ausdrückte.

oben: Bestechend in Typ, Aufrichtung und Auftritt. Auf Schauen auch international absolut konkurrenzfähig ist die 3-jährige Isaad Albadeia. Sie gewann dieses Jahr bereits zum zweiten Mal den Nationalen Junioren Stuten Champion Title von Ägypten.

 

Die Stuten waren voller Temperament und Erhabenheit, strahlten aber gleichzeitig Sanftmut und Menschenbezogenheit aus.

Die Hengste zeigten sich feurig, wild und unerzogen. Viele wären aufgrund ihres Auftritts auf einer europäischen Schau sofort vom Ring verwiesen worden. Aber keiner von ihnen verhielt sich weder bösartig, kaltblütig noch menschenfeindlich.

 

 

oben: Ähnlich wie die Menschen in Ägypten selbst sind auch ihre Pferde: Voller Temperament, Feuer und Stolz. Hier der 6-jährige Magd Albadeia, der leider in jungen Jahren sein rechtes Auge verloren hat..

 

Es scheint die Gesamtheit der Ausstrahlung gepaart mit den feinen grazilen Köpfen und den ausdrucksstarken Augen, der Trockenheit der Köper und Fundamente, der Feingliedrigkeit der Knochen und Gelenke und der Dünnhäutigkeit des glänzenden Fells zu sein, das den arabischen Typ dieser Pferde so besonders einzigartig macht. In einem Wort ausgedrückt, sie machten auf mich den Eindruck von „Königspferden“.

oben: Die volle königliche Erhabenheit und der Stolz von Pferd und Reiter kommt beim Tanz der ägyptischen Pferde zu Trommel- und Flötenklängen zum Ausdruck. Die tanzenden Pferde von Ägypten gehen auf speziell für diesen Zweck gezüchtete Linien zurück.

 

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