Polnische Nationalschau 2002

Pride of Poland Sale 2002
Staatsgestüt Michalow
Staatsgestüt Bialka
Int. Vollblutaraberrenntag in Warschau
Wo liegen die Unterschiede zu anderen Nationalschauen?

 

 

 

 

 

 

Emanda, 1996 (Ecaho x Emanacja von Eukaliptus) aus Michalow.

Weltchampion Stute, Paris, 2001.

Im Vergleich zu anderen Nationalschauen in Europa und dem Nahen Osten liegen im Durchschnitt die Noten fürs Fundament auf der polnischen Nationalschau 1 bis 2 Punkte höher. Vergleicht man den Körperbau polnischer Vollblutarabern mit Arabern anderer Zuchtrichtungen, so verfügen polnische Pferde im Schnitt deutlich tiefere Brust- und Lendenpartien, neigen aber hie und da zu einem etwas längeren Rücken. Auffallend sind die Gänge der meisten polnischen Vollblutaraber. Sie zeigen selten diesen „zakelnden Schautrab“, verfügen aber durchschnittlich über deutlich mehr Raumgriff, Takt und Kadenz. Auch in der Halspartie sind im Vergleich zu andern Zuchtrichtungen Unterschiede festzustellen. Auffallend sind die deutlich längeren Hälse, meist sehr gut aufgesetzt und sich gegen das Genick harmonisch verjüngend. Die Köpfe zeichnen sich oft durch eine breite Stirne, eine feine und schmale Nasenpartie mit einer starken Ganaschenbildung aus, wobei manchmal die Augen, verglichen mit anderen Vollblutarabern, etwas kleiner und die Ohren etwas länger sind.

In der Ganzheit ergibt sich aus den oben beschriebenen Merkmalsausprägungen ein arabischer Typ, der als „polnisch“ zu erkennen ist und sich vom arabischen Typ anderer Zuchtrichtungen wie beispielsweise des Ägyptischen oder Spanischen unterscheidet.

Die 6 Geheimnisse des polnischen Zuchterfolges

Die jahrzehntelange Dominanz der polnischen Pferde aus Michalow und Janow Podlaski in der weltweiten Schauszene kann nicht einfach Zufall sein. Was machen diese Gestüte anders und wo liegen die Geheimnisse dieses durchschlagenden Zuchterfolges? Ohne den Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben, möchte ich hier einige in meinen Augen entscheidende Erfolgsfaktoren nennen.

Geheimnis No. 1: Polnische Leistungszucht

Das erste Geheimnis lüftet sich bereits auf der polnischen Nationalschau selber. Als Zuschauer oder Richter erwartet man nach den 1- und 2-jährigen Stuten wie auf jeder Schau die Klasse der dreijährigen Stuten. Diese erscheint aber nicht, denn die dreijährigen Stuten befinden sich alle auf der Rennbahn, um rennleistungsgeprüft zu werden. 

Die Rennleistung ist ein wichtiger Teil in der polnischen Zuchtselektion und Stuten, die nicht auf der Rennbahn waren, werden in der Regel nicht in der Zucht eingesetzt. Stellen Sie sich einen europäischen oder amerikanischen „Schauzüchter“ vor, wenn Sie ihm den Vorschlag unterbreiten, seine wunderschöne dreijährige Stute anstelle des Schautrainings ins Renntraining zu geben!

Die Rennleistungsselektion über Jahre hatte mit Sicherheit einen Einfluss auf den Phänotyp (äusseres Erscheinungsbild) der polnischen Pferde und kann eine Erklärung für die überdurchschnittlich guten Fundamente, die tieferen Schulter- und Lendenpartien, die etwas längeren Rücken und die guten Gänge sein.

Geheimnis No. 2: Züchterische Geduld

Zum zweiten Mal wird man auf der polnischen Nationalschau überrascht, wenn man vergebens auf die Fohlenklassen und die Klassen der 1-, 2- und 3-jährigen Hengste wartet. Wenn man sich vor Augen hält, welche Veränderungsprozesse Fohlen noch durchlaufen werden und wie unvorteilhaft sich manchmal Junghengste zwischen ihrem ersten und dritten Lebensjahr präsentieren, wird verständlich, dass es durchaus sinnvoll ist, Junghengste mit Geduld aufwachsen zu lassen, sie zuerst einer Leistungsprüfung zu unterziehen und sie erst im Falle eines guten Abschneidens auf der Rennbahn anlässlich einer Schau bezüglich ihres Exterieurs beurteilen zu lassen. Mit dieser Selektionsweise erhält die Hengstauswahl eine ganz andere Dimension und Stellenwert, was langfristig eine Zucht unweigerlich beeinflusst.
weiter zur nächsten Seite
zurück zu News